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Old Tom Gin

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Old Tom Gin – Der „missing link“

Gin ist nicht gleich Gin – das vermögen auch diejenigen festzustellen, die noch nicht so sehr bewandert sind, wenn es um das Thema Wacholderspirituose geht. Sowohl was die Herstellung als auch den Geschmack angeht gibt es deutliche Unterscheidungen, die dazu führten, dass sich Gin Sorten entwickelten wie London Dry, New Western, Sloe und natürlich auch Old Tom Gins. Während erstere beiden in der heutigen Zeit wohl zu den bekanntesten Sorten zählen, kommt auch der Old Tom Gin nun immer mehr in den Fokus von Genießern und Bartendern. Denn diese wissen den zugänglichen Charakter dieses Gins zu schätzen und lassen ihn gerne in neue, alte und vermeintlich vergessene Cocktailkreationen fließen.

In der Überschrift hatten wir bereits angedeutet, dass Old Tom Gins oftmals als „missing link“ bezeichnet werden. Dies bezieht sich in erster Linie auf den Geschmack, denn Old Toms sind deutlich weniger trocken und dafür süßer als London Dry Gins, andererseits sind sie jedoch mehr „Dry“ und mehr Gin als jeder Genever. Und apropos London Dry. Wie die New Western Kategorie, so kann man auch den Old Tom Gin in gewisser Weise als Gegenpart zum London Dry sehen. Denn während der eine so trocken und herb wie möglich ist, ist der andere milder und lieblicher. Allerdings dürfen Sie nicht vergessen, dass auch Old Tom Gins meist zwischen 40 und 47% Vol. Alc. besitzen.

Zur Herstellung

Wie alle anderen Gins auch, so entsteht der Old Tom aus einer Basis an Neutralkohol, der agrarischen Ursprungs zu sein hat. Meist ist dies Getreide, allen voran Weizen. Dieser Brand wird während der Destillation mit den sogenannten Botanicals angereichert, die dafür sorgen, dass jeder Gin einen eigenen Charakter ausbildet, der entweder klassisch nach Wacholder schmeckt oder eher Zitrusfrüchten, Blüten oder Kräutern den Vortritt lässt. Je exotischer und weniger wacholderbetont der Geschmack, desto mehr verdient sich ein Gin den Zusatz „New Western“.

Und Old Tom Gins? Diese entstehen nicht recht viel anders als London Drys, doch während letztere nicht mehr als 0,1g Zucker je Liter enthalten dürfen, setzt der Old Tom gerade darauf: eine gewisse Süße mit hineinfließen zu lassen, die ihn lieblicher und weniger hart macht als klassische Gins.

Wie schmeckt nun ein Old Tom Gin? – Die renommiertesten Marken

Weisswange, Hernö, Liberator, Jensen‘s und Professor Cornelius Ampleforth’s versuchten sich alle am Old Tom Gins und schufen dabei weiche, süßere Destillate von großer Klasse. Der Trick ist nicht einfach mehr Zucker in den Gin hinein zu schütten. Nein, das spräche gegen die hohen Ansprüche renommierter Destillerien. Vielmehr versucht man mit von Natur aus süßen Ingredienzen einen lieblicheren Touch zu verleihen. So geschehen beim Tanqueray Old Tom mit Ananas, bei Weisswange mit Süßholz, Tonka, Vanille und Co. und beim Klassiker Hayman’s mit diversen Beeren sowie Honig. Auch Both’s ist eine große Traditionsmarke, die sich auf Old Tom Gins spezialisiert hat. Die uralte Rezeptur setzt vor allem auf florale Noten.

Und Old Tom ist dabei nicht mehr nur Sache der Briten, denn auch Deutschland steuert beispielsweise mit Treasures Secret und Untitled bei und die USA tauchen mit Liberator und Ransom auf, um nur einige zu nennen.

Wie genieße und serviere ich einen Old Tom Gin?

Natürlich kann man einen Old Tom Gin pur trinken, um seinen feinen Aromen auf die Spur zu kommen. Und auch mit einem Tonic Water verstehen sich Old Toms gut. Aber sein ganzes Können wird er doch in der Welt der Cocktails präsentieren. Der ganz große Klassiker ist hier natürlich der Tom Collins. Und auch in Martinis wird er zu glänzen und zu überzeugen wissen.

Old Toms – Der Flair der alten Welt

Kaum ein Gin ist so sehr mit dem England des 18. und 19. Jahrhunderts verbunden wie der Old Tom Gin, der damals seine große Blütezeit erlebte. Ebenso wie der London Dry Gin entstand auch der Old Tom als Antwort auf die große Gin Krise. Diese hatte vor allem die ärmeren Schichten Englands (allen voran Londons) heimgesucht, denn damaliger Gin ist mit unseren heute so qualitativ hochwertigen Destillaten in keinster Weise zu vergleichen. Keinerlei Eingriffe und Regelugen von staatlicher Seite, billiger Alkohol und simple Herstellungsweisen hatten dazu geführt, dass die Menschen in Abhängigkeit verfielen und der Gin den Ruf eines „Mother’s Ruin“ erhielt. Im Jahr 1751 schritt die Obrigkeit schließlich ein und der Gin Act in Verbindung mit der Industrialisierung hatte zur Folge, dass man mit Old Tom und London Dry deutlich hochwertigere Destillate schuf, die nun auch mehr und mehr die Upper Class überzeugten.

Nun, und wer nicht auf den trockenen, herben London Dry stand, der hielt sich an Old Tom Gins. Die gesüßten, feinen Aromen, die oftmals auch fruchtige, blumige Noten offenbarten, reagierten genau auf den Geschmack der Zeit. Übrigens wie auch heute: immer mehr Destillerien nehmen nun auch Old Tom Gins in ihr Sortiment mit auf und begeistern Gin Freunde und Barkeeper.