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Rye Whiskey

Früher bekannt, dann verkannt und jetzt Auslöser eines kleinen Booms: die Rede ist vom Rye Whiskey, der derzeit in Bars, heimischen Barschränken und in der Szene hochgelobt ist und neugierig beäugt wird. Einer der Gründe ist zweifelsohne seine spannende Historie, die ihm das Flair eines echten Haudegens verleiht.

Die Geschichte des Rye Whiskeys – Damals und heute

Die wenigsten Whisky Trinker wissen, dass Rye nicht nur ein klassischer American Whiskey ist, sondern dass er vor den Zeiten der Prohibition sogar mit Abstand der beliebteste und meist konsumierte Whiskey der USA war. Eine echte Vorzeigespirituose also, wie der Single Malt in Schottland, der Cognac in Frankreich und der Obstbrand im deutschsprachigen Raum. Echte Männer tranken Rye und selbst die Präsidenten mischten sich ein: George Washington beispielsweise galt als einer der größten Rye Produzenten seiner Zeit. Übrigens während er zur selben Zeit die Whiskey Steuern nach oben trieb und so den Unmut seiner Bürger erregte. Die Folge? Die legendäre Whiskey Rebellion des Jahres 1794, die es sogar nötig machte, Truppen von 13.000 Mann auszusenden. Nicht zu sprechen von den Steuereintreibern, die geteert und gefedert wurden.

1802 hob man die Steuern wieder auf und die USA frönten genussvoll ihrem Rye, Bourbon und Corn. Vor allem die Staaten Maryland, Kentucky und Pennsylvania taten sich hier hervor und produzierten Unmengen an Whiskeys, die erst mit der Prohibition des Jahres 1920 endeten. Die Folge war der beinah kompletten Zusammenbruch der American Whiskey Produktion. Denn auch nach der Prohibition litten die amerikanischen Whiskey Produzenten unter dem damaligen Alkoholverbot und erholten sich nur schwer davon.

Der große Verlierer, auch unter den American Whiskeys selbst, war seltsamerweise der bis dato so beliebte Rye, der nun vom süßeren, gefälligeren Bourbon und allgemein von Scotch und Irish Whiskey abgelöst wurde.

Als einer der Hauptgründe für die jahrzehntelange Nichtbeachtung des Ryes wird der veränderte Geschmack der Leute angegeben. Oder anders gesagt: mit dem Aufkommen von Bourbon und Blended Sorten vermochte man auch diejenigen zum Whiskey zu verleiten, die den Ryes (und auch Scotchs) eher skeptisch gegenüberstanden und diesen als zu hart, kräftig und stark empfanden.

Doch das alleine war es natürlich nicht, denn auch andere Faktoren bedingten den Abstieg bzw. den Beinah-Untergang der Roggenspirituose. So beispielsweise die Lage der klassischen Rye Destillerien im Nordosten der USA. Hier hatte man auch nach der Auflösung des Alkoholverbots mit denkbar schlechten Bedingungen für einen Neustart bzw. Aufschwung zu kämpfen, denn teilweise herrschten hier auch nach der Prohibtion noch strenge Regeln bezüglich der Whiskey- bzw. Alkohol-Produktion. Anders als beispielsweise Scotch, hatten die Rye Brennereien auch keinerlei Reserven, um diese sozusagen sofort an den Mann zu bringen. Ganz klar, dass die Konsumenten jedoch sofort nach Aufhebung der Prohibition ihre heimischen Barschränke wieder aufzufüllen gedachten.

Nach der Prohibition folgte nur einige Jahre später der Zweite Weltkrieg und bedingte einmal mehr einen schlechten Kurs für die Rye Produktion, denn Roggen und Co. waren nun vor allem anderen Industriezweigen zugedacht.

Mehr und mehr versank der Rye in Vergessenheit und er verkam zu einer Spirituose der alten Leute, die ihn in schummrigen Kneipen tranken. Die Jungen hingegen? Die frönten mit dem Aufkommen der Disko Ära und einem gewissen James Bond knallbunten, fröhlichen, unkomplizierten Cocktails, die nun vor allem mit einer Spirituose gemixt wurden: dem Vodka.

Seltsamerweise schien jedoch auch gerade dieser Vodka nach und nach den Weg für charakterstärkere Spirituosen wieder zu ebnen. Denn Vodka kann in diesem Sinne ja nicht „nicht“ schmecken, da er sich per se durch seine Geschmacklosigkeit auszeichnet. Dies wiederum erleichtert in gewisser Weise den Einstieg in die Welt der Brände und man bekommt Lust auf „mehr Geschmack“ und ist bereit, die eine oder andere Spirituose auszuprobieren. Davon profitierten Bourbon, Scotch und nicht zuletzt auch Gin. Und Rye? Der ist nun auf einmal nicht mehr „old school“, sondern eine jener intensiven, komplexen Spirituosen, die nun voller Tradition und Geschichte zu einem echten Geheimtipp avancieren. Ein altes, derzeit eher unentdecktes Destillat? Das kann nur der Stoff neuer Bar-Träume sein!

Heute brauchen sich Rye Destillerien nicht beschweren, denn innerhalb von nur 6 Jahren stiegen die Produktionsmengen um 38%. Eine gute Ausgangslage, um Rye auch in nächster Zeit noch eine rosige Zukunft und die Rückkehr zum Glanz seiner frühen Jahre zu prophezeien.

Herstellung – Was ist ein Rye?

Der Name Rye Whiskey verrät dem Englischkundigen ja bereits, worauf es bei dieser Whiskey Sorte zum Großteil ankommt. Denn ein typischer American Rye Whiskey ist ein Destillat aus einer Getreidemaische, die mindestens zu 51% aus Roggen bestehen muss. Und dies fällt in Nordamerika, in welchem er zum Großteil hergestellt wird, nicht so schwer, denn hier gedeiht Roggen ganz besonders gut. Im Gegensatz dazu besteht Corn Whiskey aus 79% Mais und Bourbon aus mindestens 51% Mais sowie Roggen und teilweise auch Weizen.

Eine Sonderrolle bei der Rye Whiskey Herstellung nimmt ohne Zweifel der Canadian Whisky ein, für den traditionell hauptsächlich Roggen verwendet wurde. Heute sieht dies jedoch ganz anders aus und man verwendet lieber Mais sowie Obstwein, Fruchtsäfte und sogar Sherry Zusätze. Ein Canadian Whiskey darf sich (anders als American Whiskey) tatsächlich auch dann als Canadian Rye bezeichnen, wenn wenig oder gar überhaupt kein Roggen enthalten ist.

Neben der Basis aus Getreide spielt natürlich auch die Fassreifung eine ganz entscheidende Rolle, egal ob Whisky aus Kanada oder den USA. Ein American Straight muss dabei mindestens 2 Jahre in Fässern aus neuer, verkohlter Eiche verbracht haben, will er sich als solcher bezeichnen.

Wie schmeckt der Whiskey, der als „bastard whiskey“ bezeichnet wird?

Und wie serviere ich ihn?

Rye als „bastard whiskey“ zu bezeichnen, weckt bei denjenigen, die ihn das erste Mal probieren möchten, nicht unbedingt Vertrauen und wahrscheinlich auch nicht unbändige Lust auf einen ersten Schluck. Doch natürlich darf man diesen Titel weniger auf den Geschmack, denn auf sein Wirken, seinen Ruf und seine Geschichte zurückführen.

Rye Whiskey ist klassischerweise charakterstark, würziger als jeder Bourbon, zudem weniger lieblich und süß und von faszinierend kräftigem Auftreten. Ein Whiskey, der einschlägt wie eine Bombe und gerade auch deshalb hochgeschätzt in Cocktails ist.

Sie dachten immer, dass ein Sazerac, ein Old Fashioned oder ein Manhattan mit Bourbon oder Single Malt gemixt werden muss? Folgt man den Ursprüngen dieser Rezepturen, so gebührte die Ehre eigentlich dem Rye und auch heute feiert er seinen Aufschwung neben dem puren Genuss vor allem auch in kräftigen, intensiven Cocktails.

Ein „Bastard“ in erster Linie also, weil er nicht so süß und gefällig ist wie ein Bourbon und wohl auch, weil ihm sowohl der Ruhm einer alten Zeit als auch der Ruf eines in die Jahre gekommenen Destillats anhaftet, den lediglich griesgrämige Cowboys und Farmer serviert bekommen. Doch das ist noch nicht alles, denn was früher vielleicht einmal der älteren Generation zugeordnet wurde ist heute ein beinah „hipp“ zu nennender Brand, der unkonventionelle Genießer auf der Suche nach dem bestimmten Kick zufrieden stellt.

Bekannte Whiskey Marken

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