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Rhum Agricole

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Rhum agricole

Als Rhum agricole wird eine ganz bestimmte Sorte von Rum bezeichnet, die aus den französischen Übersee Départements um Martinique und Guadeloupe sowie den karibischen Inseln stammen. Rhum bedeutet schließlich und letztlich nichts anderes als Rum aus dem Französischen übersetzt. Und agricole? Das betont den handwerklichen Charakter dieser Destillate, die anders als der Großteil der meisten Rums aus frischem Zuckerrohrsaft, denn aus der schwereren, süßeren Melasse entstehen. Der Grund? Der lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die Ursprünge des Rhum agricole

Als Mitte der 19. Jahrhunderts nach und nach der Bedarf an Zucker vom Zuckerrohr auf die Zuckerrübe umgestellt wurde, hatten darunter vor allem auch die französischen Übersee Départements zu leiden, die zwischenzeitlich beinah vor dem Bankrott standen. Wenn für den klassischen Zucker nun die Zuckerrübe herhielt, musste das Zuckerrohr für etwas anderes dienen. Eine findige Lösung musste gefunden werden, die sich darum kümmerte, dass das Zuckerrohr weiterhin gewinnbringend eingesetzt werden konnte.

In diese Überlegungen spielte noch ein weiterer Umstand aus dem Mutterland hinein: während der 1860er hatte die Reblauskatastrophe einen solchen Schaden in Europa und vor allem auch Frankreich angerichtet, dass die Produktion von Cognac, Champagner und Wein allgemein stark beeinträchtigt wurde. Schlimm für französische Winzer, doch ein großer Vorteil für karibische Destillerien, deren große Stunde nun geschlagen hatte. Man begann frischen Zuckerrohrsaft zu verarbeiten und diesen teilweise in Fässern zu lagern und teilweise als Rhum Blanc zu verkaufen.

Nicht nur aufgrund der Reblausplage, auch während Kriegszeiten war der Rhum agricole ein gern gesehener Begleiter, der die Motivation der Soldaten aufrechterhalten sollte. Zu Zeiten des Ersten Weltkriegs war Rhum agricole so berühmt und beliebt wie nie und löste zwischenzeitlich sogar Melasse Rums an Beliebtheit ab. Dies lässt sich übrigens auch daran ablesen, dass agricole Rhums in den 20er bis 40er Jahren des 20. Jahrhunderts einem kontrollierten Import unterlagen, um einheimische Hersteller zu fördern.

Auch heute noch sind Rhum agricoles ein Geheimtipp unter Rum Liebhabern, den Sie unbedingt probieren sollten, wollen Sie Einblick in die große Vielfalt der Zuckerrohrdestillate erhalten.

Rhum agricole AOC – Eine geschützter Herkunftsbezeichnung?

Martinique, ein französisches Übersee Département und Teil der kleinen Antillen, bemühte sich bereits seit den 1970er Jahren darum, in die Appellation d’Origine Contrôlée, kurz AOC, mit aufgenommen zu werden. Bis dato war dieses System Produkten des französischen Mutterlandes vorbehalten gewesen, namentlich so zum Beispiel Cognac und Käse, Calvados und Wein. Erst im Jahr 1996 akzeptierte man schließlich die Nachfrage und Rhum agricole aus Martinique durfte das AOC im Namen tragen. Mit verbunden waren selbstverständlich gewisse Regeln, die festlegten, wo und wie produziert werden musste und wie die Fasslagerung auszusehen hatte. 2008 folgte schließlich auch Guadeloupe nach, die ebenfalls Teil der Französischen Antillen sind.

Es darf nun jedoch nicht so verstanden werden, dass Rhum agricole ausschließlich in Martinique und Guadeloupe hergestellt wird, doch Rums aus diesen Gebieten dürfen schließlich das AOC tragen, an das andere Regionen nicht gebunden sind. Wenn sich auch die meisten an eine der AOC ähnlichen Regelung halten.

Die Herstellung und Altersstufen des Rhum agricole

Wir haben es eingangs bereits erwähnt: der große Unterschied zwischen Rhum agricole und traditionellen Rums ist bereits im Ausgangsdestillat zu finden. Denn im Gegensatz zu traditionellen Rums wird Rhum agricole aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt. Melasse kann gelagert werden, der frische Saft jedoch nicht, der spätestens 36 Stunden nach der Ernte verarbeitet werden muss.

Wie beim klassischen Melasse Rum, so gibt es auch beim Rhum agricole diverse Alterungsgrade, die vom Rhum blanc bis zum Rhum vieux XO reichen. Ersterer verweilt für 3 Monate in Edelstahlbehältern, die dazu dienen, eine gewisse Harmonie in das Destillat zu bringen. Hier erlebt man den reinen Geschmack des frischen Zuckerrohrsaftes, der auf einen Alkoholgehalt von 50-59% Vol. Alc. reduziert wird.

Als Rhum paille werden diejenigen Abfüllungen genannt, die eine Zeit von 12 bis zu 18 Monaten in Eichenfässern verbrachten. Die Farbe ist von sanftem Gelbgold und der Alkoholgehalt liegt meist bei ca. 50% Vol. Alc.

Ein Rhum agricole vieux muss schließlich mindestens 3 Jahre in Eichenfässern verbracht haben, will er sich als solcher bezeichnen. Die Eichenfässer reichen von ehemaligen Bourbon und Sherry Fässern bis zu Wein und First Fill Behältern, die das Fassungsvermögen von 650 Litern nicht übersteigen dürfen. Hier beläuft sich der Alkoholgehalt auf bis zu 45%.

Die Rhum vieux unterteilen sich nochmals auf die Altersstufen VS (mindestens 3 Jahre Lagerung), VSOP (mindestens 4 Jahre) und XO (mindestens 6 Jahre Reifung). Selbstverständlich existieren noch deutlich ältere Rums, doch sollte man bedenken, dass Rhum agricole in seinen Holzfässern meist einem Klima ausgesetzt ist, dass eine deutlich schnellere Verdunstung (Stichwort angels share) und Alterung bedingt, als dies beispielsweise in Schottland und Irland der Fall ist. Ein Rum kann da schon einmal dreimal so schnell reifen wie ein Sotch.

Schmeckt ein Rhum agricole anders?

Um diese Frage schon einmal vorweg zu beantworten: ja. Ein Rhum agricole bildet durchaus andere Geschmackskomponenten aus als Melasse Rums. Letztere sind oftmals von einer delikaten Süße getragen, während Rhum agricole exotische, fruchtige Nuancen im Duft offenbart, die von Maracuja bis zu Bananen und Beerenfrüchten reichen. Je länger ein Rhum agricole lagert, desto mehr spielt natürlich auch ein gewisser Fasscharakter mit hinein, der dann beispielsweise zusätzlich Anklänge von Vanille, Schokolade und Kaffee offenbart.

Rhum agricole weist oftmals einen höheren Alkoholgehalt auf als klassische Melasse Rums und das heißt auch, dass er zuweilen eine würzige, kräftige Präsenz aufbaut, die man durchaus auch mal mit einer guten Zigarre verbinden kann.

Bekannte und beliebte Rhum agricoles

Sie möchten einen Rhum agricole in Ihr Sortiment mit aufnehmen? Dann empfehlen wir Ihnen beispielsweise folgende bekannte und beliebte Destillerien wie J.Bally, Trois Rivieres und J.M White. Auch Rivière du Mat und Damoiseau geben bereits mit ihren französisch angehauchten Namen Hinweis auf ihren Entstehungsort und ihre Art der Herstellung. Weitere bekannte Brennereien sind Rhums von Saint James und St. Aubin sowie La Mauny.

Schmökern Sie gerne durch unser spannendes Sortiment und entdecken Sie Ihren eigenen Favoriten.